frau sitzt auf bett mit nahrungsergänzungsmittel in hand
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Krank durch Nahrungsergänzungsmittel: Mögliche Nebenwirkungen

Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM, sind beliebt: Deutschland gehört zu den größten Märkten. Dass Nahrungsergänzungsmittel krank machen können, ist den wenigsten Verbraucherinnen und Verbrauchern bewusst. Doch die Einnahme birgt Risiken. Wann Nahrungsergänzungsmittel krank machen können, welche Nebenwirkungen möglich sind und bei welchen NEM Sie besonders vorsichtig sein sollten.

Nebenwirkungen durch Nahrungsergänzungsmittel?

Krank durch Nahrungsergänzungsmittel? Bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung wird der Körper ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht notwendig. Bei Vorerkrankungen, aufgrund von Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie bei zu hohen Dosierungen von Nahrungsergänzungsmitteln können einzelne Inhaltsstoffe sogar schaden.

Bei einer Mangelernährung hingegen oder bei bestimmten Erkrankungen, etwa bei einer Essstörung, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei einer veganen Ernährungsweise, einem ärztlich diagnostiziertem Mangel oder bei Älteren kann eine Einnahme von NEM unter ärztlicher Aufsicht nötig oder sinnvoll sein. Ein Arzt oder eine Ärztin sollte die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln begleiten, weil die Einnahme bestimmter Vitamine und Mineralstoffe mit Nebenwirkungen verbunden sein kann, Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten können und die Einnahme sowie die Dosierung kontrolliert werden sollten.

Welche Nahrungsergänzungsmittel können krank machen?

Viele Menschen nehmen NEM ohne ärztliche Begleitung. Sie möchten ihrer Gesundheit etwas Gutes tun und einem Mangel vorbeugen. Zugleich erscheinen die Nahrungsergänzungsmittel für viele harmlos – gehören sie doch nicht zu den Arzneimitteln. Doch auch die vermeintlich harmlosen Nahrungsergänzungsmittel können im Körper Schaden anrichten und krank machen. Bei einigen Nährstoffen ist die Spanne zwischen der empfohlenen täglichen Zufuhr und der empfohlenen tägliche Höchstmenge gering. Das heißt: Eine Überdosierung dieser Nährstoffe kann rasch passieren. Nebenwirkungen können auftreten. Eine toxische Überdosierung ist unter anderem möglich bei den Vitaminen D, A, E, sowie bei Eisen und Selen.

Mögliche Nebenwirkungen der Vitamine D, A und E 

Vitamin D: Wird zu viel Vitamin D über ein Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen – die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 20 Mikrogramm bei fehlender Sonnenexposition – scheidet der Körper vermehrt Kalzium über den Urin aus, weil die Kalziumaufnahme gestört ist. Eine anhaltend zu hohe Kalziumkonzentration im Körper kann zu Verkalkungen von Nieren, Blutgefäßen, Lunge und Herz führen. Mediziner sprechen vom Hyperkalzämie-Syndrom. Erste Symptome eines Vitamin D-Überschusses sind unter anderem Durst, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Verwirrung, Depression und Herzrhythmusstörungen.

Vitamin A: Wird zu viel Vitamin A über ein Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen – die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von 700 bis 850 Mikrogramm – können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auftreten. Wird das Vitamin länger zu hoch dosiert, sind Haarausfall sowie Haut- und Nagelveränderungen möglich. Wichtig: Bei Ungeborenen kann ein zu hoher Vitamin A-Spiegel der Mutter zu Missbildungen und Geburtsfehlern führen.

Vitamin E: Wird zu viel Vitamin E über ein Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen – die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen eine tägliche Zufuhr zwischen 12 bis 14 Milligramm – sind eine Schwächung des Immunsystems, Verdauungsstörungen und Müdigkeit möglich.

Krank durch Nahrungsergänzung: Vorsicht bei Eisen und Selen

Auch eine anhaltend zu hohe Zufuhr von Eisen und Selen über Nahrungsergänzungsmittel kann gesundheitskritisch werden.

Eisen: Wird zu viel Eisen über ein Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen – die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen eine tägliche Zufuhr zwischen 10 bis 15 Milligramm – sind Magenschmerzen, Übelkeit, Verstopfung sowie eine Dunkelfärbung des Stuhls möglich. Wird über einen längeren Zeitraum zu viel Eisen über NEM aufgenommen, ist nicht auszuschließen, dass das Risiko für die Entstehung von Herz-, Krebserkrankungen und Diabetes steigt.

Selen: Wird zu viel Selen über ein Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen – die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen eine tägliche Zufuhr zwischen 60 und 70 Mikrogramm – sind Nebenwirkungen wie Gelenkschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Nervenleiden, Seh- und Gedächtnisstörungen, Zahnprobleme, Hautschäden, Haarausfall und eine gestörte Nagelbildung möglich. Ein knoblauchartiger Atemgeruch kann ein Hinweis auf eine Selenüberdosierung sein. Wird anhaltend zu viel Selen in Form eines NEM eingenommen, können ernsthafte Nebenwirkungen drohen. Mediziner sprechen von "Selenose". Störungen des Nervensystems, Gedächtnisstörungen und Sehstörungen bis hin zu Blindheit sind möglich.

Erhöhtes Krebsrisiko durch Nahrungsergänzungsmittel?

Krebsexperten warnen ebenfalls vor möglichen Nebenwirkungen durch die unsachgemäße und ärztlich unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. So weist der Krebsinformationsdienst (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) darauf hin, dass Raucher beispielsweise keine zusätzlichen Beta-Carotine einnehmen sollten, die als Vorstufe von Vitamin A angeboten werden – häufig als "ACE-Vitamine" in Kombination mit Vitamin C und E: Studien haben gezeigt, dass das Lungenkrebsrisiko ansteigt.

Eine Studie, in der Forscher die Auswirkungen der Vitamine B6 und B12 auf das Lungenkrebsrisiko untersuchten, zeigte: Statt, dass wie erhofft das Krebsrisiko sank, erkrankten zumindest die männlichen Studienteilnehmer häufiger an Lungenkrebs. Andere Studien zeigten zudem, dass sich bei Männern, die Vitamin E und/ oder Selen in Form von NEM eingenommen hatten, das Risiko für Prostatakrebs erhöhte. Die Studien mussten abgebrochen werden.

Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs? Nie ohne Rücksprache mit dem Arzt

Auch Patienten, die wegen Krebs oder einer anderen Erkrankung bereits Medikamente einnehmen, riskieren laut den Krebsexperten viel: Manche Stoffe vertragen sich nicht mit Medikamenten – es könne zu gesundheitsgefährdenden Wechselwirkungen kommen oder die Arzneimittel wirkten nicht wie gewünscht. Wer als Patient trotz aller Risiken nicht auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten wolle, solle daher immer die behandelnden Ärzte darüber informieren, welche Produkte er zusätzlich einnehmen möchte oder bereits einnimmt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Vorsicht verwenden

Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mitteilt, sind Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Personen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, in der Regel überflüssig. Nahrungsergänzungsmittel seien zudem kein Ersatz für eine entsprechende Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise könne nicht durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden, betonen die Experten des Bundesamts.

Wer den Verdacht hat, dass bei ihm ein Nährstoffmangel vorliegt, sollte immer seinen Hausarzt oder seine Hausärztin beziehungsweise einen Facharzt oder eine Fachärztin für Innere Medizin (Internist) aufsuchen und ein Blutbild anfertigen lassen. Nur wenn ein Nährstoffmangel ärztlich diagnostiziert ist, ist eine Einnahme entsprechender NEM ratsam. Wichtig ist zudem, dass der behandelnde Arzt weiß, welche Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente eingenommen werden müssen. Dies muss er bei der Dosierung und mit Hinblick auf mögliche Wechselwirkungen berücksichtigen. 

Grundsätzlich raten Experten verschiedener Fachrichtungen, NEM nur nach Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin einzunehmen. Trotzdem schlucken viele Menschen Nahrungsergänzungsmittel auf eigene Faust. Verbraucherschützer raten, vor dem Kauf zu schauen, ob es wissenschaftliche Bewertungen zu den Produkten gibt und ob möglicherweise Verbraucherwarnungen existieren.

Auch sollten Verbraucher recherchieren, wie hoch die empfohlenen Referenzwerte sind – etwa über die Referenzwerte der DGE – und darauf achten, die Dosierungen einzuhalten und nicht zu übersteigen. Ebenfalls sollten Verbraucher schauen, ob die NEM Allergene enthalten und ob die zugesetzten Stoffe wie Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Aromen und Süßstoffe vertragen werden. 

Ebenfalls wichtig: Schauen Sie, ob in anderen Lebensmitteln oder NEM zusätzliche Nährstoffe zugesetzt sind – so summiert sich die Substanz rasch und die tägliche Höchstmenge kann leicht überschritten werden.  
Nein, die Sorge vor einer Vitamin D-Überversorgung durch Sonne und Ernährung ist unbegründet. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt, sind Vitamin D-Überdosierungen und damit verbundene unerwünschte Wirkungen nur durch eine überhöhte orale Zufuhr (dauerhaft höher als 100 Mikrogramm pro Tag) und nicht durch eine exzessive Sonnenbestrahlung der Haut möglich. Aber: Zu viel Sonne tut der Haut nicht gut und das Hautkrebsrisiko steigt. Auch hier gilt: Die Dosis macht´s.
Angaben des BfR zufolge ist eine Einnahme von Vitamin D-Präparaten (also eine zusätzliche Zufuhr über die Ernährung hinaus) nur dann empfohlen, wenn eine unzureichende Versorgung nachgewiesen wurde und wenn eine gezielte Verbesserung der Versorgung weder durch die Ernährung noch durch die körpereigene Vitamin D-Bildung durch Sonnenbestrahlung zu erreichen ist. 

Laut den Experten kann bei folgenden Risikogruppen eine Supplementierung von Vitamin D nötig sein: Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht beziehungsweise nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten oder Personen mit dunkler Hautfarbe. Personen, die nicht ausreichend und regelmäßig in die Sonne gehen, beispielsweise bewegungseingeschränkte, chronisch kranke oder pflegebedürftige ältere Menschen.

Quellen:

Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln! Was Verbraucher wissen sollten. Ratgeber-Broschüre des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D. Online-Information des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Nahrungsergänzungsmittel – Alles, was wir wissen sollten. Online-Information von Quarks.

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D. Online-Information des RKI.

Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechen, K(l)eine Wirkung? Online-Information des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Endlich Klartext bei Nahrungsergänzungsmitteln. Online-Information der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Nahrungsergänzungsmittel richtig verwenden. Online-Information der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Eisen: Qualität nicht Quantität ist die Frage. Online-Information der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Nahrungsergänzung. Hirnschaden durch zu viel Selen. Online-Information der Ärzte Zeitung.

Vitamine und Spurenelemente: (K)ein Plus für die Gesundheit? Online-Information des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
AL
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
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