Zahnlücke: häufige Ursachen & Behandlung
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Zahnlücke: häufige Ursachen & Behandlung

Zahnlücken entstehen manchmal, wenn Zähne genetisch nicht angelegt sind. Weitaus öfter sind Zahnlücken allerdings die Folge von Zahnerkrankungen und Unfällen. Zahnärzte empfehlen, Zahnlücken zu schließen, denn: Durch den zusätzlichen Platz im Kiefer können sich Zahnfehlstellungen und Kieferbeschwerden entwickeln.

Zahnlücken: häufige Ursachen für fehlende Zähne

Es ist möglich, dass Zähne genetisch bedingt im Kiefer nicht angelegt sind. Markante Zahnlücken zwischen den Schneidezähnen sind ebenfalls nicht selten genetisch bedingt. Zahnärzte sprechen von Diastema (griech. Zwischenraum).

Weitaus öfter sind es aber Unfälle sowie Zahnerkrankungen wie Karies und Parodontose, die zum Verlust von Zähnen führen. Bei einem Sturz oder einem Schlag auf den Zahn beim Sport zum Beispiel können erhebliche Zahnschäden entstehen: Der Zahn kann abbrechen oder die Zahnwurzel absterben. Dann muss der Zahn entfernt werden.

Krankes Zahnfleisch nimmt Zähnen den Halt

Dehnen sich Zahnfleischentzündungen auf den Zahnhalteapparat aus, kann es ebenfalls passieren, dass sich Zähne lockern und ausfallen. Regelmäßige Zahnkontrollen beim Zahnarzt – ein- bis zweimal im Jahr – helfen, kranke Zähne und entzündetes Zahnfleisch frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Zahnlücken schließen: mehr als ein ästhetisches Problem

Zahnlücken sind weit mehr als nur ein ästhetisches Problem. Sie können die Mundgesundheit gefährden. Nicht nur, dass Essen und Trinken erschwert sein können – vor allem, wenn die Schneidezähne betroffen sind. Auch kann das plötzliche Plus an Platz im Mund beispielsweise dazu führen, dass sich die anderen Zähne verschieben und Zahnfehlstellungen entstehen.

„Wird der fehlende Zahn nicht möglichst schnell ersetzt, drohen außerdem Störungen der Kaufunktion sowie Falschbelastungen des Kieferknochens und dessen Abbau. Zudem verursachen Zahnlücken nicht selten Kopfschmerzen sowie Probleme bei der Aussprache“, warnt Dr. Jochen H. Schmidt, zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln.

Zahnlücken behandeln: Was macht der Zahnarzt?

Bei nicht zu breiten Lücken und einer rein ästhetischen Motivation können Veneers (englisch: Abdeckung, Fassade) helfen. Der Vorteil: Per Spezialkleber auf der Zahnoberfläche befestigt, verschwinden neben der Lücke auch Schönheitsmakel wie Verfärbungen hinter den hauchdünnen Verblendschalen aus Keramik. Der Nachteil: Die Schale kann erst eingesetzt werden, nachdem der betreffende Zahn um etwa einen halben Millimeter abgeschliffen wurde. „Nicht geeignet sind Veneers bei toten Zähnen, Karies oder anderen Zahndefekten“, sagt der Zahnmediziner mit der Zusatzqualifikation „Master of Science in Oral Implantology and Surgery“.

Andere gängige Methoden, etwa Aligner-Schienen, Zahnspangen, Implantate und Brücken, kommen bei vorliegender medizinischer Indikation zur Anwendung. Mit Alignern (englisch: to align something = etwas begradigen) können Zahnlücken geschlossen und schiefe Zähne begradigt werden. Aligner haben gegenüber Zahnspangen den Vorteil, dass sie nahezu unsichtbar korrigieren, da sie aus durchsichtigem medizinischem Kunststoff gefertigt sind. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht übernommen.

Gesetzliche Krankenkassen zahlen lediglich die Kosten für eine zahnmedizinisch notwendige Standardbehandlung. Wer eine kieferorthopädische oder zahnmedizinische Behandlung plant, sollte VOR Beginn mit dem vom Arzt ausgestellten Heil- und Kostenplan zur Krankenkasse gehen und die Kostenübernahme beantragen. Anhängig vom individuellen Fall entscheidet die Krankenkasse, ob sie die Kosten der Behandlung komplett, teilweise oder gar nicht übernimmt. Dann muss der behandelte die Kosten aus eigener Tasche zahlen.

Implantat bei Zahnlücke

Immer häufiger kommen bei Zahnlücken Implantate zum Einsatz. „Implantate sind ähnlich wie ein 'Dübel' fest im Kieferknochen verankert“, erklärt Schmidt. „So bieten die Kunstzähne sicheren Halt und einen guten Biss. Nach einer Einheilungszeit von drei bis sechs Monaten ist das Implantat in der Regel fest verankert.“

Die Vorteile: Da Implantate direkt im Kiefer und nicht an den benachbarten Zähnen befestigt sind wie Brücken, bleiben die umliegenden Zähne verschont. Die Nachteile: Bei allen Implantat-Behandlungen sind Wundheilungsstörungen möglich. Das größte Risiko ist die Periimplantitis. Diese bakterielle Infektion greift nicht nur das Zahnfleisch an, sondern kann auch Bereiche des Kieferknochens schädigen.

Brücke bei Zahnlücke

Des Weiteren hat sich auch die festsitzende Brücke bewährt, um Zahnlücken zu schließen. In der Regel besteht diese aus Metall, das mit zahnfarbener Keramik verblendet ist. Neben einem Brückenglied, das die Lücke überspannt, sind zwei Ankerkronen notwendig, die auf die Zähne links und rechts der Lücke gesetzt werden. Diese müssen wie bei einer normalen Krone abgeschliffen werden.

Als Diastema (griech. Zwischenraum) bezeichnen Zahnärzte die sichtbare Lücke zwischen zwei Frontzähnen. Ein Diastema ist erblich bedingt. Schuld an der Lücke ist kein fehlender Zahn, wie manchmal vermutet wird. Vielmehr stehen lediglich zwei Zähne zu weit auseinander. Betroffen davon sind meist die oberen Eck- und Schneidezähne.
Werden Kaufunktion und Artikulation nicht beeinträchtigt, so ist zahnmedizinisch keine Behandlung des Diastemas erforderlich. In den meisten Fällen entscheiden sich die Betroffenen aus rein ästhetischen Gründen für eine Korrektur. 
Grundsätzlich ist ein echtes Diastema genetisch bedingt und deshalb bereits im Milchgebiss erkennbar. Als falsches Diastema bezeichnet der Zahnarzt Zahnlücken, die etwa durch schmale Zähne oder einen ausgeprägten Kiefer verursacht werden können.

Quellen:

Interview mit Dr. Jochen H. Schmidt, zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln.

Zahnlücken: Einfluss auf die Mund- und Körpergesundheit. Online-Information der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA).

Wie funktioniert das Gebiss? Online-Information der Stiftung Gesundheitswissen.

Wie sehen Zahn- und Kieferfehlstellungen aus? Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Zahn- und Kieferfehlstellungen. Online-Information des Bundesministeriums für Gesundheit.

Häufige Fehlstellungen. Online-Information der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV).

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
AL
Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
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